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Fatima (Portugal) - Fatima? Wer? - Teil 2

Fatima? Wer?

Die Berliner Mauer

Fatima Portugal, Blick Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit, Blick über Kirchenvorplatz
Blick von der Rosenkranzbasilika über den Kirchenvorplatz

Hier stand ich also unruhig und in Gedanken zwischen Historie (Berliner Mauer) und Moderne (Basilika der Heiligsten Dreifaltigkeit) wählend. Den Blick dabei abwägend von hoch oben über dem Areal zwischen den beiden Plätzen hin und her schwenkend.

 

Die Verbindung zwischen der Berliner Mauer und Fatima ist bei genauerem Hinsehen zu erkennen. Der Bau der Mauer begann am 13. August 1961, der offizielle Abriss am 13. Juni 1990. Beide Daten folgen damit den Erscheinungsdaten jeweils am 13. des Monats zwischen Mai und Oktober 1917.

 

Die wichtigste Verbindung besteht jedoch darin, dass eine der überbrachten Botschaften sich auf Russland und seine „Irrlehren“ bezieht. In der Botschaft der Muttergottes heißt es: „[…] Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“ 

Fatima Portugal, Berliner Mauer
Ein Stück der Berliner Mauer

Papst Johannes Paul II und der Vatikan spielten bei der religiösen Erfüllung der Botschaft und konkret politisch eine große Rolle für den Fall des Eisernen Vorhangs.

 

Zur Erinnerung an die Erfüllung der Botschaft kümmerte sich ein in Deutschland lebender Portugiese darum, dass ein Mauerblock in Fatima seinen Platz findet. Mein Besuch des Denkmals am Südrand des Geländes verschob ich indessen auf einen späteren Zeitpunkt.

Die Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit

Kurzentschlossen machte ich auf den weiten Weg über die ganze Länge des Kirchenplatzes zur gegenüberliegenden Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit. Der kreisrunde Flachbau ist laut katholischer Kirche die viertgrößte der Welt. Innen wie außen wirkt sie gleichermaßen modern auf mich und eher wie ein Tagungszentrum. Über die gesamte Breite des Raumes zieht sich der bühnenähnliche, in warmem Orange Gold gehaltene Altar. Auf dem glatt polierten, glänzenden Steinboden hört man jeden Schritt. Hier wird auch schon mal lauter geredet oder gelacht. Das verstärkt bei mir zusätzlich den Eindruck eines Versammlungszentrums. In modernen Kirchen wie dieser ist mein sakrales Empfinden eher zurückhaltend. Ich finde die alten, klassischen Bauten spannender.

 

Eine kurze Weile später verlasse ich schon wieder das runde Gotteshaus, um in meiner Unruhe etwas anderes, hoffentlich spannenderes zu suchen und zu finden. So wandelt sich der Tag zum Abend. Ein Tag, an dem ich zwar viel gesehen, aber wenig wahrgenommen habe.

Rückkehr zur Erscheinungskapelle

Fatima Portugal, Erscheinungskapelle, Muttergottes, Heilige Jungfrau Maria
Statue der Maria in der Erscheinungskapelle

Bereits um 4.30 Uhr früh erwache ich am nächsten Morgen. Eigentlich eine Zeit, um mich einfach umzudrehen und weiter meinen Träumen zu widmen. Sehr klar ist da jedoch das Gefühl, dass ich jetzt aufstehen sollte, um mich auf den kurzen Weg über die Straße zur Erscheinungskapelle zu machen. Was auch immer mich dort erwartet; es hat mir noch nie geschadet auf meine Intuition zu hören.

 

Ich zog alle warmen Sachen an, die ich hatte und das waren beileibe nicht viele bei 14/15° Tagestemperatur. 20 Minuten später machte ich es mir bei 3-5° in der Kapelle, die zur Front offen ist, auf den harten, Lehnen-losen Holzbänken vor der Marienstatue so bequem wie möglich. Zu so früher Stunde hatte ich erwartet mit der Muttergottes allein zu sein. Noch früher unterwegs als ich waren vier Asiatinnen in dicken Daunenjacken und damit deutlich besser vorbereitet. Drei von Ihnen verwirklichten ihre Absichten knie rutschend auf dem Bußweg.

 

Etwa eine Stunde saß ich still, meinen Empfindungen und Gedanken folgend und spürte in die Strömungen der Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen, für manche so himmlischen Ortes. Was genau ich empfand, welche Gefühle oder Gedanken sich zeigten, fällt mir schwer zu beschreiben. Die Sinneseindrücke spielten miteinander bis sie verschmolzen. Sie fesselten mich jedoch lange genug, um die herauf kriechende, feuchte Kälte auszuhalten. 

Aljustrel - Wohnort der Hirtenkinder

Jacinta Marto, Lucia dos Santos, Francisco Marto
Jacinta Marto, Lucia dos Santos, Francisco Marto

Vom Kirchengelände nur zwei Kilometer entfernt befindet sich Aljustrel. Dort wuchsen die Seherkinder Lucia, Jacinta und Marto auf. In Aljustrel hatten die drei bereits etwa ein Jahr vor den Marienerscheinungen mehrere Engelserscheinungen. Der Engel, er stellte sich später als der Engel Portugals vor, lehrte sie, auf bestimmte Weise für Sünder zu beten. Lucia beschrieb diese Begebenheiten in ihren Erinnerungen später als Hinführung und Stärkung des Glaubens an Gott und Vorbereitung auf die kommenden Ereignisse.

Eine Bühne der Engelsauftritte liegt auf dem mit immergrünen Olivenbäumen und Steineichen bewachsenen Hügel Cabeco. Am Loca do Anjo (Platz des Engels) befindet sich heute ein Ehrenmal und in den Hainen darunter eine Art Pilgerweg.

 

Auf der Suche nach dem Platz des Engels folgte ich den 14 Bildwerken des Pilgerweges. An einigen Stationen hatte ich das Bedürfnis innezuhalten, mich einzulassen und, was mich selbst sehr überraschte, mich beim Abschied, einem inneren Antrieb folgend zu bekreuzigen. Ich bin weder katholisch, noch habe ich dieses Ritual je irgendwo angewendet oder gar gelernt. Es fühlte sich wie eine demütige Ehrung Jesu Christi an.

Aljustrel-Valinhos, Fatima
Weg durch die Haine, im Hintergrund rechts die Rosenkranzbasilika

Aljustrel, der Cabeco und der Pilgerweg mit seinen schattenspendenden, knorrigen Olivenbäumen und Eichen sind viel weniger besucht, als das Zentrum der Anbetung in Fatima. Im Gegensatz zu den Kirchen und ihrem Areal ist man inmitten der Natur. Ich fühlte mich leichter und entspannter als dort.

 

Über dem Kirchengebiet hing während meines Besuches eine Wolke von beinahe depressiver Schwere, die auf mein Gemüt drückte. Ähnliche Empfindungen kannte ich aus Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Trotzdem ging ich natürlich zum Mittelpunkt der Verehrung Mariens, Gottes und der Hirtenkinder zurück. Schon allein deswegen, weil mein Hotel daran angrenzte. ;-)

Das Museum - Geschenke an Fatima

Ein Weg führte mich in das kircheneigene Museum an der Südseite. Viele Gaben zu Ehren der Geschichte Fatimas sind hier ausgestellt. Sogar Päpste überließen Fatima zum Teil sehr persönliche Stücke. Vor allem Papst Johannes Paul II war mit diesem Ort sehr verbunden. Neben seinem Ring und einigen Kleidungsstücken, überließ er eine der Patronen, die ihn beim Attentat vom 13. Mai 1981 trafen, in den himmlischen Schutz Fatimas. Das Projektil wurde in eine der Kronen der Marienstatue eingearbeitet. Diese Haupt Krone wiederum wurde aus dem Schmuck portugiesischer Frauen gefertigt, den sie zum Dank, dass Portugal vom 2. Weltkrieg verschont blieb, gespendet hatten.

 

Fatima-Portugal
Ehrenmal Johannes Paul II
Fatima-Portugal
Marienstatue mit Krone (nicht die erwähnte)

Die Kriegsverschonung Portugals und der Anschlag auf das Leben des Papstes wurden während der Erscheinungen vorhergesagt.

 

Viele Details der Geschichte Fatimas porträtierte mir eine Nonne, die sich hilfsbereit im Museum an meine Seite stellte. Als ich während des Gesprächs erwähnte, dass ich genau 50 Jahre nach der ersten Erscheinung geboren wurde, beschloss sie sofort, mich in ihr Gebet mit aufzunehmen. Wie schön J

 

Vertiefende Einblicke für die komplexe Geschichte und das Leben von Lucia, Jacinta und Marto erhielt ich später aus dem Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“. Die Nonne hatte mir aufgrund meiner scheinbaren Verbindung zu Fatima dieses Buch sehr ans Herz gelegt.

 

Einer weiteren Verbindung zu Fatima wurde ich mir erst nach meiner Reise bewusst und verblüffte mich sehr: Mein Blog ging am 13. Oktober 2017, genau 100 Jahre nach dem Sonnenwunder Fatimas online.

Ein Sonnenwunder

Die Muttergottes bat die Kinder am 13. eines jeden Monats zum Ort der Erscheinung zurückkehren, um weitere Botschaften zu erhalten. Obwohl die Kinder sich versprachen ihre Erlebnisse zu verschweigen, strömte es aus Jacinta heraus. Natürlich nahmen die Neugier und Gerüchte immer mehr zu; verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Ab Juli kamen zu den angekündigten Tagen immer mehr Fromme, Neugierige, Zweifler und Spötter. Die damals noch namenlose Erscheinung kündigte deshalb für den 13. Oktober ein Wunder an, damit die Menschen glauben. Am fraglichen Tag fanden sich Zehntausende ein, um dabei zu sein. Sie sahen, wie die Sonne sich zu einer silbernen Scheibe formte und wie ein Feuerrad zu drehen begann. Ohne ihre Augen schützen zu müssen, konnten sie direkt in das solare Spektakel hineinsehen. Die Zukunft Fatimas hatte begonnen.

Eigentlich könnte der Bericht hier enden. Ein sehr wichtiger, noch verborgener Grund nötigte mich allerdings noch einmal nach Fatima zurückzukehren … Welch intensives Erleben mich dort berührte könnt ihr demnächst in Teil 3 lesen.

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Kommentare: 4
  • #1

    Barbara (Sonntag, 14 Oktober 2018 10:55)

    Liebe Sönke,
    wie der 'Zufall' ;-) so will, hatte ich heute Zeit, um diesen Bericht in Ruhe zu lesen.
    Von wegen 'in Ruhe': Schnell huschten meine Augen gespannt von Wort zu Wort.
    Gefesselt und berührt.
    DANKE für diesen wundervollen Bericht!

  • #2

    Sonni (Sonntag, 14 Oktober 2018 19:10)

    Hallo Sönke!
    Es ist immer schön von dir an diese besonderen Orte geführt zu werden!!! Du beschreibst die Erlebnisse so faszinierend, dass es sich so anfühlt, als wenn ich dir hinterherlaufen würde und all das sehen und fühlen könnte, genau wie du!
    Es macht neugierig auf mehr und gibt mir Zuversicht, dass die himmlischen Kräfte jederzeit Wunder vollbringen können! Glaube, Liebe, Hoffnung!
    Dankeschön!
    Sonni

  • #3

    Sönke Kluge (Dienstag, 16 Oktober 2018 15:43)

    Liebe Barbara,
    so ist das mit den "Zufällen". ;-) Vielen Dank für dein tolles Feedback. Ich hoffe, du kannst irgendwann noch einmal in Ruhe den Bericht lesen.


    Liebe Sonni,
    auch dir vielen lieben Dank für dein tolles Feedback! Ich freue mich sehr, wenn du vom Bericht etwas mitnehmen kannst. Wer weiß, vielleicht organisiere ich irgendwann einmal Reisen an diese Orte, du läufst ganz real mit und erlebst eigene Momente. Das hätte doch was. :)

  • #4

    Lars (Mittwoch, 24 Oktober 2018 22:27)

    Lieber Sönke,

    ...und wieder hast Du mich mitgenommen. Die Verbindung zwischen Geschichte des Ortes, Deinen fast greifbaren Beschreibungen der Gegebenheiten heute und Deinen Eindrücken und Empfindungen sind faszinierend und fesselnd. Es macht neugierig auf mehr.

    Und darauf freue ich mich.

    Fühl Dich herzlich gegrüßt
    Lars