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Fatima (Portugal) - Fatima? Wer? - Teil 1

Fatima? Wer?

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Basilika Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes

Fatima – was wie ein schöner arabischer Frauenname klingt, ist hier weder eine Frau aus dem Morgenland noch überhaupt fernöstlich. Fatima ist ein kleiner Ort der Region Santarem in Zentralportugal. Dennoch hatten hier sogar zwei Frauen eine prägende Rolle.

 

Fatima liegt circa 130 km nördlich von Lissabon und ist im Laufe der Jahrhunderte auf aktuell ungefähr 11.500 Einwohner angewachsen. Ein Ort, der ohne die gut 100 Jahre alten Geschehnisse vermutlich immer noch so schön klingen würde, wohl aber gewiss auch außerhalb von Portugal gänzlich unbekannt wäre.

 

Wie schon 1858 in Lourdes, wurde Fatima durch wiederholte Erscheinungen der Heiligen Muttergottes (Maria), die im Mai 1917 begannen, zu einem sehr bedeutenden Wallfahrtsort in Europa. Rund 4 Millionen Menschen pilgern jährlich in dieses Städtchen.

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Heilige Jungfrau Maria

Einer Legende zufolge wurde der Ort tatsächlich nach einer schönen Frau namens Fatima benannt. Die Legende besagt, dass die Region Santarem 1147 von Mauren beherrscht und von Christen zurückerobert wurde. Fatima soll die schöne Tochter eines maurischen Fürsten gewesen sein. Es wird erzählt, dass Fatima von Christen entführt und an den Grafen von Ourèm verkauft wurde. Sie verliebte sich in diesen, heiratete ihn und ließ sich ihm zu Liebe taufen. Angeblich benannten Fatimas Nachkommen den Ort ihrer letzten Ruhe nach ihr. 

 

Spätestens der 13. Mai 1917 verdrängte diese Legende vollends in den Hintergrund. Von nun an sprachen die Menschen des Ortes und der Region über sich ausbreitende Gerüchte, dass drei Hirtenkinder die Heilige Jungfrau Maria gesehen hätten.

Die erste Erscheinung

Lucia dos Santos, Jacinta Marto und ihr Bruder Francisco Marto hüteten damals die Schafe auf einem Weidestück der Familie, das Cova da Iria hieß. „Ein karger, steiniger und vor Witterungseinflüssen ungeschützter Platz, der jeder natürlichen Anziehung beraubt schien. Die Mittagszeit war bereits vorüber, als die Himmlische Botin – eingehüllt in helles Licht – vom Himmel auf die Erde kam. Eine Dame ganz in Weiß gekleidet, strahlender als die Sonne, die auch selbst Licht verbreitete“ (Lucias Erinnerungen, Schwester Lucia spricht über Fatima*). Für die Kinder sehr überraschend, sprach die Erscheinung sie sogar an: „Habt keine Angst, ich füge euch nichts Böses zu.“

 

Es ergab sich ein Gespräch, in dem die Herrin des Himmels die Kinder bat, in den kommenden sechs Monaten jeweils am 13. des Monats, zur selben Stunde zurückzukommen. Dann werde sie offenbaren, was sie möchte und wer sie ist.

 

Die Kinder taten, worum sie gebeten wurden und kamen jeweils am 13. an diesen Platz. Und tatsächlich erschien ihnen jedes Mal diese ganz in Weiß gekleidete Dame. Die Botschaften, die die Kinder erhielten, waren zum Teil von komplexer weltpolitischer Bedeutung. Es ging um das Ende des 1. und den Ausbruch des 2. Weltkrieges, den Kommunismus und, von der katholischen Kirche später so gedeutet, um das Attentat auf Papst Johannes Paul II vom 13. Mai 1981. 

Fatima Portugal, Engel rechts an der Rosenkranz Basilika
Engel an der Rosenkranz Basilika
Fatima Portugal, Statue links von der Rosenkranz Basilika
Fatima Portugal, Engel links an der Rosenkranz Basilika
Engel an der Rosenkranz Basilika

Hauptsächlich ging es in den Botschaften der Heiligen Muttergottes, wie meines Erachtens immer, um Frieden. „Betet für Frieden auf dieser Welt und opfert für die Bekehrung der Sünder.“ Übermittelt und verantwortlich übertragen an drei Kinder im Alter von 7, 8 und 10 Jahren. Die Drei übernahmen diese Aufgabe gerne – sie, die reinen Herzens waren.

 

Das Versprechen, bald in den Himmel zukommen (Francisco und Jacinta), bzw. für Lucia, dass Maria sie nie verlassen wird und ihr unbeflecktes Herz, ihre Zuflucht und ihr Weg sein wird, reichte ihnen vollkommen aus, um zu folgen.

Hinter meinem Rücken sind ca. 2/3 des Kirchenvorplatzes zu sehen
Hinter meinem Rücken sind ca. 2/3 des Kirchenvorplatzes zu sehen

Diesen damals so rauen Ort, der heute mit 750 m x 200 m und einem Fassungsvermögen von 500.000 Menschen zum größten Kirchenvorplatz der Welt geworden ist, besuchte ich erstmalig kurz vor Weihnachten 2017. Ein Ort, in dem es vorrangig nicht um Heilung, sondern um Buße und Opfer geht.

 

Meine Ankunft war verheißungsvoll. Schönster Sonnenschein und angenehme 12°-14° empfingen mich. Die Aussichten waren sehr gut – die nächsten Tage sollte es so bleiben.

 

Für diese Reise hatte ich von meiner inneren Führung keine speziellen Aufgaben oder Ziele wahrgenommen. Ich ging also einfach mal drauf los und ließ mich überraschen, was so ungemein viele Menschen an diesen Ort zieht und er für mich bereithielt.

Der erste Eindruck

Vom Hotel musste ich gerade mal die Straße queren, um an der südlichen Seite den wahrhaft riesig wirkenden Kirchenvorplatz zu erreichen. Gleich links befindet sich die erst 2007 eingeweihte moderne Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit. Sie hat einen Durchmesser von 125 m und fasst 8.500 bis 9.000 Besucher. Ihr gegenüber, am anderen Ende des Platzes steht etwas erhöht die wesentlich ältere Basilika Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes. Bereits 1928 wurde mit dem Bau der alles überragende Kirche begonnen. Links zu ihren Füßen steht die Erscheinungskapelle an dem Ort, wo alles begann.

 

Nur wenige Pilger waren jetzt dort und diese verloren sich fast schon auf dem Vorplatz. Wenn zu den wichtigen Feierlichkeiten hier eine halbe Million Menschen zusammenkommen und gemeinsam beten, dürfte dieser Anblick sehr beeindruckend sein. Mir gefällt etwas mehr Platz um mich herum und deshalb war ich froh, mich frei bewegen zu können.

Weihestätte für die Muttergottes

Zur wichtigsten Stätte zuerst, denke ich und gehe quer über den Platz zur Erscheinungskapelle. Als 1917 alles begann, stand an der Stelle der Erscheinungen eine Steineiche. Im Glauben an himmlische Kräfte der Eiche begannen Pilger irgendwann damit, Stücke des Baumes für sich abzutrennen und mitzunehmen, sodass die Steineiche nicht überlebte.

 

In der Kapelle, die an die Erscheinungen Marias erinnert, herrscht eigentlich durchgehend andächtiges Schweigen. Gläubige richten ihre stille Bitte um Heilung oder Vergebung an die Muttergottes, Gebetsketten gleiten gleichmäßig durch Pilgerhände. Manche Pilger lösen auf einem circa 150-200 m langen, glatt polierten Steinweg zur Kapelle herab oder um sie herum, auf Knien rutschend ihre Opfer oder Buße versprechen ein.

Dieses Bußritual hat seinen Ursprung mutmaßlich in einem Erlebnis von Lucia dos Santos. Einige Jahre nach den Erscheinungen wurde ihre Mutter schwer krank. Sowohl ihre Mutter, als auch ihre Schwestern zweifelten von Anbeginn an den Erlebnissen und Erzählungen Lucias, tadelten sie oft dafür und machten ihr das Leben schwer. In ihren Erinnerungen* beschreibt Lucia ein Gespräch mit ihren Schwestern: „Die Mutter stirbt aus Kummer über all die Leiden, die du ihr bereitet hast.“ Sie hielten den Fall (die Krankheit) für hoffnungslos. […] „Lucia! Wenn es stimmt, dass du Unsere Liebe Frau gesehen hast, dann geh jetzt zur Cova da Iria (Ort der Erscheinungen). Bitte sie, unsere Mutter zu heilen. Versprich ihr, was du willst. Dann werden wir glauben.“

 

Natürlich ging Lucia sofort. Sie versprach für die Heilung ihrer Mutter unter anderem an neun aufeinanderfolgenden Tagen mit ihren Schwestern auf Knien und den Rosenkranz betend von der Höhe der Straße bis zur Steineiche zu rutschen. Drei Tage später konnte Lucias Mutter ihre Arbeit im Haus wieder aufnehmen …

 

So saß ich an dieser wundersam himmlischen Stätte und ließ sie auf mich wirken. Ohne, dass ich außergewöhnliches spürte, mich besonders berührt fühlte oder gar Erscheinungen hatte verließ ich die Kapelle. Dass ich zu einer ungewöhnlichen Zeit zurückkehren würde, dämmerte mir noch nicht.

Die Hauptkirche - Basilika des Rosenkranzes

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Basilika Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes

Die Rosenkranz Basilika lag mir am nächsten und wurde deshalb zu meinem Ziel. Ich ging die helle, sandfarbene Steintreppe hinauf, an der großen offenen Kanzel vorbei, die auf halber Höhe über dem Platz thront. Von hier werden Messen und Ansprachen an die zigtausend Pilger gerichtet, wenn der Vorplatz gefüllt ist.

 

Oben angekommen betrete ich durch den Seiteneingang das helle, eher schlicht gehaltene Innere der Basilika. Wieder einmal „platze“ ich in eine laufende Messe. Ein detaillierter Rundgang verbietet sich. 

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Innenansicht Basilika Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes

Auf den ersten umherschweifenden Blick fallen mir die Höhe der Kirche und der Kontrast des dunklen Wandbildes hinter dem Altar, zu dem strahlend weißen Deckenrelief direkt darüber auf. Das Relief der Krönung Marias strahlt Frieden und Hoffnung aus.

 

Ich suche mir im vorderen Teil einen freien Platz und nehme von dort die Einzelheiten in Augenschein.

Während ich die Ausstrahlung der Kirche und ihre Details auf mich wirken lasse, habe ich das Gefühl, dass etwas um mein Kronenchakra herumschwirrt; wie der schnelle Flügelschlag eines Kolibris. Ganz sicher bin ich mir nicht, deshalb schaue ich mich lieber einmal um, ob ich nicht nur von irgendwoher Zugluft verspüre. Türen und Fenster sind jedoch geschlossen. Das Gefühl am Hinterhaupt ist zudem zu gleichmäßig, zu zentriert. Ich lasse es zu. Unangenehm ist es nicht. Nur sehr ungewohnt und rätselhaft.

 

Mittlerweile ist die Messe beendet. Die meisten Besucher zieht es nach vorne zum Altar und vor allem zu den links und rechts davon liegenden Grabstätten der Seherkinder, Lucia, Jacinta und Marto. Bittgebete und Danksagungen werden still vorgetragen, Fotos der Gräber festgehalten, Selfies aufgenommen, ganze Familien positioniert und abgelichtet. Bei all meinen Besuchen in der Basilika sah ich diese Kulisse.

In mir wollte keine rechte Ruhe aufkommen. Innere Ruhe, die ich brauche, um die fein gesponnenen Netze verehrter Plätze wahrzunehmen. Ich fühlte mich ein wenig wie ein aufgescheuchtes Reh auf der Flucht. Wohin jetzt? Zur modernen Basilika der Heiligsten Dreifaltigkeit? Zum Stück der gefallenen Berliner Mauer? Tatsächlich – ein Teil der Berliner Mauer ist hier in Fatima!

 

Was es mit der Berliner Mauer in Fatima auf sich hat, wie sie dorthin kam und vieles mehr könnt ihr im 2.Teil lesen.

Fatima? Wer? - Teil 2 

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Kommentare: 4
  • #1

    Barbara (Donnerstag, 06 September 2018 19:47)

    Einfach vielfältig, interessant und ansprechend!
    Viiiiiieeeeeelen Dank für den tollen Bericht, den ich sicher noch öfter lese, weil ich sicher bin, dass ich Vieles überlesen habe. DANKE!!!!!!

  • #2

    Lars (Donnerstag, 06 September 2018 22:36)

    Klasse geschrieben, man ist ja fast vor Ort, wenn man Deinen Bericht liest�

    Und das Geheimnis der Berliner Mauer will ich schon gerne wissen. Also freue ich mich auf Teil 2...

    Herzliche Grüße Lars

  • #3

    Bine (Dienstag, 11 September 2018 20:55)

    Und wieder hatte ich fast das Gefühl dabei gewesen zu sein ☺️
    Wunderschöne Bilder und ein Bericht, der neugierig auf die Fortsetzung macht.
    Danke❣️

  • #4

    Sönke Kluge (Mittwoch, 12 September 2018 17:12)

    Vielen lieben Dank für eure tollen Kommentare! Ich freue mich sehr darüber. Und ich freue mich, wenn es mir ein wenig gelingt, euch an diese Orte "mitzunehmen". Ich bin wirklich gespannt, wann jemand selbst an einem der Orte war und seine Erfahrung hier teilt. �