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Bem vindo Fatima! Von einem der auszog sich wiederzufinden.

Bem vindo Fatima! Von einem der auszog sich wiederzufinden.

Fatima Portugal, Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit, Kirchenvorplatz

Im Laufe des letzten Tages meiner Reise im Dezember, es war ein wunderschöner wärmender Sonnentag, nahm ich eine trübe Dunkelheit und Schwere in Fatima war, die mich belastete. Ich hatte keine Erklärung dafür, die beiden Tage zuvor waren gänzlich unbeschwert gewesen. Entgegen meiner Erwartung nahm dieses Gefühl, weit weg von Fatima am Flughafen Lissabons, sogar noch zu. Erst beim Abflug schien es sich fast zu normalisieren. Die der Reise folgenden Weihnachtstage und der Jahreswechsel verliefen emotional wie bei vielen Menschen, wenn sich die Jahresendkapriolen endlich legen. Ich machte mir keinerlei Gedanken.

 

Was mir Sorgen bereitete war, dass mein Kontakt zu meiner Intuition und inneren Führung seit meiner Rückkehr sehr eingeschränkt, manchmal sogar völlig abgerissen war. Man könnte wohl sagen, dass ich gute zweieinhalb Monate „nicht so gut drauf“ war, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen warum. Mein Leben verlief ohne große Wellen und Stromschnellen in ruhigem Fahrwasser.

 

Im Austausch mit einer sehr guten Freundin fanden wir endlich eine Erklärung. Ein Teil meiner Seele war in Fatima geblieben! Augenblicklich wusste ich wo: in der Rosenkranz-Basilika!

 

Sofort anschließend an das Telefonat bemühte ich mich mit einer Meditation diesen Anteil zurückzuholen, was eigentlich mühelos funktioniert. Doch welche Technik ich auch probierte, sie blieb erfolglos. Es wurde klar: Ich muss, ich soll noch einmal nach Fatima. Um meinen Seelenanteil wieder zu integrieren, aber auch, weil mich etwas mit diesem Ort sehr verbindet. In Fatima 2 hatte ich zwei offensichtliche Verbindungen (mein Geburtstag und Blog Launch) bereits erwähnt. Aber da war noch mehr. Nur was es ist, wollte sich nicht zeigen.

Zurück in der Stadt

Mit dem Schwung der Erkenntnis lief die Planung reibungslos. Einen Tag vor der Abreise fing es dann doch noch an zu haken. Aber aus Steinen, die im Weg liegen kann man eine Treppe bauen; ihr kennt das. ;-)

 

Die letzte Hürde war, dass mein Navi im Mietwagen nicht funktionierte. Ich war froh, dass ich die „grobe Richtung“ von meiner Dezember Reise kannte und Fatima klein genug ist, dass meine Ortskenntnisse reichten, um meine Unterkunft recht schnell zu finden. Letztlich war ich statt morgens um 10.30 Uhr um 16.30 Uhr endlich am Hotel.

Zielgerichtet zog ich zum Magneten der Stadt, um mich zu vereinen.

 

Der logische, naheliegendste Ansatz war auf direktem Weg in die Rosenkranz-Basilika zu gehen. Dass logisches Denken mit Fühlen nicht immer zusammenpasst wurde mir wieder einmal deutlich gezeigt. Ich gab die Frage, wohin ich zuerst gehen solle an meine innere Führung ab, obwohl ich seit Monaten keine klaren Antworten bekam - und siehe es ward Licht! Klar und eindeutig war die Verbindung sofort da. Die Antwort lautete zweifelsfrei: ins ethnische Museum.

 

Im ethnischen Museum sind hauptsächlich Kunstobjekte aus ganz Portugal ausgestellt. Sehr viele Skulpturen und Figuren stellen Jesus als Knabe dar. Die Darstellung und Ausstrahlung des jungen Gesichts erscheint mir so ganz anders als in Deutschland. Warum ich das Museum besuchen sollte erfuhr ich nicht. Es passierte jedoch schon öfter, dass ich zu Beginn eines Aufenthaltes in ein regionaltypisches Museum geschickt wurde. Ich vermute, dass ich mich dadurch auf die Umgebung einschwinge.

Fragen - wahrnehmen - umsetzen

So, jetzt aber zur Rosenkranz-Basilika, drängte ich. Nicht denken – fragen und die Antwort wahrnehmen! Die Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit war das Ziel. Nimm bitte den Weg an der Berliner Mauer vorbei. Na klar, mache ich.

 

Es hatte fast den ganzen Tag in Fatima geregnet. Erst im Laufe des Nachmittags ging der Dauerregen in vereinzelte Schauer über. Meine Verspätung hatte also auch etwas Gutes. Just an der Berliner Mauer stürzte wieder ein solcher Schauer vom Himmel, sodass ich mich einige Zeit unter einen Baum stellte und abwartete. Er strahlte etwas aus, dass ich ihn am liebsten umarmt hätte. Ich ließ es jedoch, weil mir zu viele Menschen um mich herum waren.

Messe mit Anschluss

Jetzt durfte ich endlich dorthin, wo ich meinen Seelenanteil ausgemacht hatte: die Basilika Unserer Lieben Frau des Rosenkranzes.

 

Als ich durch die seitlich gelegene schwere Holztür der Basilika eintrat, war die Kirche gut besucht. Es lief eine der zahlreichen Messen, die über den ganzen Tag verteilt an einer der Gebetsstätten stattfinden. Katholische Messen gehören nicht zu meinen favorisierten Events, ich habe das bereits einige Male erwähnt. Normalerweise verlasse ich dann den Gottesdienst. Heute jedoch fühlte es sich anders an. Ich suchte mir einen Platz weit vorne, hörte zu, obwohl ich nichts verstand und fühlte mich seltsam eingebunden. Ein kleiner Finkenvogel flog in den Altarraum und ließ sich oberhalb dessen auf einem Vorsprung nieder, um ebenfalls aufmerksam bis zum Ende der Andacht zu lauschen.

Fatima Portugal, Rosenkranz-Basilika, Grab, Ruhestätte, Francisco Marto
Grabstätte Francisco Marto

Im Verlauf der Messe sang eine Frau mit warmer, wunderschöner und berührender Stimme Psalmen; es gab ein Ritual, bei dem sich benachbarte Besucher die Hände reichten und teils umarmten. Ich war alleine dort und wurde – ohne zu wissen, worum es ging – überraschend von mehreren, mir völlig Fremden in dieses christliche verbindende Geschehen einbezogen. Zum Ende der Andacht deutete sich eine Kommunion (ev. Abendmahl) an. In mir stieg das Gefühl auf daran teilzunehmen; doch ich zögerte und zweifelte. Mein letztes Abendmahl lag gefühlte 35 Jahre zurück, außerdem bin ich kein Katholik. Trotzdem fühlte es sich richtig an. Nach einigem Ringen entschied ich den Leib Christi in Form der Hostie (geweihte Oblate) aus den Händen des Geistlichen in Empfang zu nehmen. Es wusste ja keiner, dass ich konfessionslos bin.

 

Jetzt war die Messe beendet, aber mein Aufenthalt noch nicht. Mit vielen anderen Besuchern begab ich mich zum nur einige Meter entfernten Grab von Francisco Marto, einem der Seherkinder. An seiner Ruhestätte hielt mich sehr lange ein warmes, fast familiäres Gefühl fest, bis ich mich endlich löste und die Kirche verließ.

Meine überraschende Erkenntnis

Nun hatte ich am Ende des kurzen Tages fast schon mehr erlebt und gespürt, als während meiner dreitägigen Reise im Dezember. Ob sich meine Absicht meinen hier verbliebenen Seelenanteil wieder zu integrieren bereits jetzt erfüllt hatte, konnte ich nicht enthüllen. Dessen ungeachtet präsentierte sich in mir schon fast laut rufend die Erkenntnis: Du bist die Wege auf dem Gelände rückwärts, genau umgekehrt zum letzten Tag des Besuches im Dezember gegangen!

Prozessionen am 13.

Am folgenden Tag ging ich als Erstes zur Kapelle der Marienerscheinung. Eigentlich hätte ich sie bereits am Vorabend aufsuchen sollen. Bei meinen drei Stippvisiten wurde jeweils gerade eine Messe gefeiert, sodass ich mich anders entschied. Die aktive Teilnahme an einer Messe reichte mir für den gestrigen Tag wirklich aus.

 

Heute Morgen war es noch ruhig, die Messe wurde woanders gelesen. Ich konnte mich mit aller Muße und Besinnlichkeit lange Zeit ungestört in der Kapelle aufhalten und alles aufnehmen. Es war ein schöner, aber unauffälliger Besuch. So verließ ich die Kapelle, um eine Kaffeepause einzulegen und war bereits ein gutes Stück entfernt, als ich hinter mir aus der Richtung der Kapelle den Gesang vieler Menschen registrierte. Eine Prozession hatte sich in Bewegung gesetzt. Heute war der 13. April. Die Erscheinungen im Jahre 1917 geschahen ein halbes Jahr lang jeweils am 13. eines jeden Monats. Zu Ehren der Ereignisse wird deshalb monatlich am 13. eine Prozession abgehalten, bei der die gekrönte Statue der Maria, Muttergottes auf einer blumengeschmückten Sänfte von der Kapelle über den langen Weg des Kirchenplatzes bis zur Kirche der Heiligsten Dreifaltigkeit getragen wird. Dort findet dann – man ahnt es fast – eine Messe statt. 

Ich hatte Glück, dass ich den Beginn der Prozession gerade noch so mitbekam. Eine Minute später hätte ich den Platz bereits verlassen. Natürlich blieb ich, beobachtete die religiöse Hommage, begleitete den Ave-Maria singenden Festzug ein Stück und ließ ihn dann vorüberziehen. Es war ein weiterer interessanter Einblick in die speziellen religiösen Riten von Fatima.

 

Mit den Sinneseindrücken vom Gesang des Chores und der bunten Bilder des Festzugs genoss ich meinen Kaffee noch ein wenig mehr.

Aljustrel - die Taufkirche der Seherkinder

Anschließend brach ich nach Aljustrel auf, dem damaligen Wohnort der Seherkinder. Der kürzeste Weg vom Café dorthin führte über das Kirchengelände. Ein zweites Mal passte das Timing perfekt. Die Prozession machte sich auf den Rückweg. Nun wurde vielstimmig und klangvoll o Fatima Adeus (Auf Wiedersehen) gesungen, begleitet vom Schwenken weißer (Taschen-)Tücher. Es war ein schönes Bild, wie die Teilnehmer freudig und zugeneigt die Muttergottes und den Festzug begleiteten.

Fatima Portugal, Aljustrel
Taufkirche von Lucia, Jacinta und Francisco

In Aljustrel ging ich zuerst in die Taufkirche der drei Hirtenkinder Lucia, Jacinta und Francisco, die ein wenig abseits des eigentlichen Wohnorts liegt. Der Pilger Tourismus ist deutlich geringer, es kommen keine Hunderttausende Besucher. Vielleicht ist deshalb das verhältnismäßig kleine Gotteshaus in seiner Schlichtheit und Größe recht ursprünglich geblieben.

 

Schwester Lucia erwähnt diese Kirche einige Male in ihren Erinnerungen an Fatima. Hier empfing sie ihre Erstkommunion und legte ihre erste Beichte ab. Diese sprach sie so laut, dass die versammelte Gemeinde jedes ihrer Worte mithören konnte.

Fatima Portugal, Aljustrel
Innenansicht Taufkirche Aljustrel

Durch das schlichte Haupttor betrat ich das ebenso bescheidene Kircheninnere. Beim umherschweifen meines Blickes entdeckte ich, dass der in jeder christlichen Kirche anwesende Jesus, anders als gewöhnlich dargestellt ist. Nicht der leidende gekreuzigte Heiland, sondern ein mit weit ausgebreiteten Armen und gütigem Blick segnender Gottessohn schaute auf mich herab. Wie schön das war; und wie schön wäre es, ein so hoffnungsfrohes Bild öfter zu sehen.

 

Im vorderen Bereich wachen zum Teil Jahrhunderte alte holzgeschnitzte Heiligen Figuren und Bilder über die Kirche und Gemeinde. Hinten links vom Eingang befindet sich ein kleiner offener Präsentationsraum für das Taufbecken, die Taufurkunden und ein großes Gemälde der berühmten Kinder des Ortes. Schon bei meiner Reise im Dezember war ich an diesem schlichten Ort, sodass der Besuch jetzt natürlich nicht fehlen durfte, denn ich ging ja alle Stationen ab, wo meine Seelenanteile geblieben sein konnten.

Am Loca do Cabeco mit dem Schutzengel Portugals

Ehrenmal der Engelersscheinung
Ehrenmal der Engelersscheinung

Als ich das Gefühl hatte, dass meine Zeit hier beendet sei, ging ich hinüber in die etwa 1,5 – 2 km entfernten Valinhos, dem heutigen Gedenk-Park, inmitten der vielen immergrünen Olivenbäume und silbergrauen Steineichen. Damals erschienen an unterschiedlichen Plätzen in diesem Hain den drei Kindern sowohl die Heilige Jungfrau Maria, als auch der Schutzengel Portugals. Ich suchte den Loca do Cabeco, den Ort der Engelserscheinung auf.

 

Das Wetter war mittlerweile sonnig und mild, die Schauer des Vortages waren weitergezogen. Zunächst blieb ich einige Zeit vor dem Denkmal, das die Vision aus dem Jahr 1916 nachstellt. Doch schon bald ließ ich mich seitlich und etwas oberhalb des Ehrenmals nieder, um den unregelmäßig auftauchenden Besuchern aus dem Weg zu gehen. Die meisten begeben sich direkt vor das Mal, sprechen ihre Gebete, halten kurze Einkehr und gehen wieder. Sie sind selten länger als 5-10 Minuten anwesend. 

An meinem Platz war ich von unten nicht zu sehen, konnte andererseits das Geschehen, wenn ich denn wollte ganz gut verfolgen. Sehr lange saß ich dort mit geschlossen Augen, meditierend, spürend und dem Kommen und Gehen meiner Gedanken folgend. Ich kam innerlich zur Ruhe, ähnlich wie es geschieht, wenn ich auf die Weite des offenen Meeres schaue.

 

Irgendwann fragte ich mich, ob es Zeit ist weiterzuziehen. Auf meinen Reisen stelle ich diese Frage nie meinem Kopf, sondern immer meiner Intuition. Und wie immer erhielt ich eine Antwort: Bleib noch ein wenig. Zum dritten Mal war das Timing hervorragend.

 

Kurz darauf erschien eine zehn bis fünfzehnköpfige deutsche Reisegruppe, unter ihnen zwei Mönche und ein Priester. Die Reiseführerin referierte hervorragend und detailreich über die Geschehnisse am Loca do Cabeco und die Geschichte Fatimas. Ich kam in den Genuss einer kostenlosen Führung. Besonders interessant war, dass sie das Bild des Opferns anders erklärte, als es im Allgemeinen gesehen wird. Es geht ihrer Erläuterung nach nicht um Schmerz und Leid und darum etwas aufzugeben. Es geht vielmehr darum, mit Freuden zu teilen und dadurch heilig zu machen. Die Verbundenheit, ja das Einssein aller zu erkennen und die vermeintliche Trennung im Geist zu heilen. Wie schön.

Der durchsichtige Jüngling am Brunnen der Familie

Fatima Portugal, Aljustrel
Haus und Stallung der Familie dos Santos

Es war ein guter Abschluss und Zeit aufzubrechen. Die Kirchengruppe war ebenfalls kurz zuvor aufgebrochen. Ziel war für uns beide das ehemalige Wohnhaus von Lucia dos Santos, dass nur wenige hundert Meter entfernt ist. Auf dem Weg vorbei an den Souvenirläden, Cafés und einem kleinen Museum überholte ich die fröhlich frotzelnde Reisegemeinschaft und konnte ein wenig genauer schauen, wer mir den so viel Neues geschenkt hatte.

Fatima Portugal, Aljustrel, Engel Portugals
Szene der Erscheinung des Engels am Brunnen

Am Ziel angekommen bog ich zum ehemaligen Grundstück der dos Santos´ ab. Teile des Hauses und der Stallungen, in die heute einige wenige Schafe und Lämmer zur Freude der Pilger gestellt werden, sind erhalten. Im hinteren Teil des Grundstücks hatten die Kinder ebenfalls eine Erscheinung des Engels Portugals. Während einer Mittagspause am Brunnen, im Schatten der Bäume erschien ihnen „dieser Engel mit einem Licht, weißer als Schnee, in der Form eines durchsichtigen Jünglings, strahlender als ein Kristall im Sommerlicht“ (Schwester Lucia spricht über Fatima), mahnte die Kinder und erklärte sich als Schutzengel Portugals.

 

Meine Kirchenfraktion war irgendwo auf ihrem Weg hängen geblieben, sodass ich diesen Platz im Familien Garten vorläufig für mich hatte. Im Dezember war dies der einzige lobgepriesene Ort, den ich nicht besucht hatte. Wieder war es sehr gut getimt. Ich konnte mich ungestört auf die Umgebung einlassen und einfühlen. Historisch gesehen rundete dieser Abstecher mein Bild der wundersamen Erlebnisse von 1916 bis 17 ab, eigene Wunder erlebte ich hier nicht.

Kein Ende der Feierlichkeiten

Mein Besuch in Aljustrel war für heute beendet. Durch den himmlischen Hain schlenderte ich den Weg zurück nach Fatima, den die Hirtenkinder oft mit ihren Schafen gelaufen waren. Am Kirchengelände ließ ich mich treiben und wollte den Tag mit einer kurzen Mediation in der Erscheinungskapelle beenden. Die Kapelle war jedoch rappelvoll mit feiernden Christen, die mit Kerzen und anderen Lichtern das Ave-Maria in zig Sprachen zelebrierten. Sie huldigten an diesem Abend des 13. April die einstigen magisch-ätherischen Auftritte der Gnadenmutter. Mein Vorhaben fiel deshalb aus. Stattdessen beobachtete ich aus der Ferne den Lichterglanz.

Nur keine Hektik - Abschied allerorts

Mittlerweile war ich überall dort gewesen, wo ich annahm meine „vergessenen“ Seelenanteile wieder aufnehmen zu können. So dachte ich bei Tagesbeginn, dass die letzten Stunden in Fatima entspannt sein würden und es nur noch wenige Ziele gäbe. Ich täuschte mich.

 

Noch einmal „eilte“ ich an viele kirchentreue Plätze, bei wenigen verbrachte ich jedoch längere Zeit. Später erschien es mir fast so, als hätte ich mich reihum verabschiedet.

 

Eingeprägt hat sich der Abschied in der Forum-gleichen Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit mit ihren fast 9.000 Sitzplätzen. Ich setzte mich mittig des Saales, rechts des Ganges, schloss die Augen und verband mich gedanklich mit dem Christus-Geist und dem Land Portugal. Lange Zeit saß ich so mitten im Geschehen, hörte die laute Reisegruppe links von mir, die Gespräche der Besucher, das Klicken der Kameras, das Kommen und Gehen, das Quietschen der Schuhe auf dem glatt polierten Boden und tauchte in die Zeitlosigkeit ein. Es war eine sehr schöne, sanfte Meditation. Ich brauchte einige Zeit, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen.

Was war das? Zauberhände?

Auch in der Rosenkranz-Basilika wurden mir einige schöne, erfüllende Momente geschenkt. Ohne mein Zutun baute sich an einigen Stellen eine liebevolle, wärmende Verbindung zu meinem Herzen auf. Dies geschah an den Gräbern von Lucia und Jacinta und ebenfalls am gegenüberliegenden Grab von Francisco. Als ich mich jeweils am Kopfende des Grabes niederkniete verstärkte sich das Gefühl sogar noch. 

Fatima Portugal, Rosenkranz Basilika, Schwester Lucia dos Santos, Jacinta Marto, Ruhestätte
Gräber von Schwester Lucia und Jacinta
Fatima Portugal, Rosenkranz Basilika, Francisco Marto, Ruhestätte
Grab von Francisco

gleiche Kapelle- anderes Relief
gleiche Kapelle- anderes Relief

Direkt hinter dem Grab von Francisco befindet sich eine Art kleine Kapelle in der ein goldglänzenden Stich (Metall-Relief) in Marmor gefasst ist, auf dem eine Szene der Rosenkranz Geheimnisse dargestellt wird. Ich stand einige Zeit, erneut mit geschlossen Augen an der Wand zwischen Grab und Stich, als plötzlich mein Kopf mitsamt meinem Oberkörper wie von Zauberhand sanft nach hinten gedrückt wurde. Für kurze Zeit entstand ein Gefühl, wie ich es aus energetischen Behandlungen kenne.

 

Erst nach diesem Erlebnis bemerkte ich die segnenden Hände Jesu Christi auf dem Relief schräg hinter mir. Es ist die gleiche gütige segnende Darstellung, wie in der Taufkirche von Aljustrel. Sie wurde mein nächstes und wie ich dachte letztes Ziel.

Herzliche Senhoras in der Taufkirche

wichtige Marienstatue Lucias
wichtige Marienstatue Lucias

Mittag war bereits durch und ich hatte noch eine knapp anderthalb stündige Rückfahrt nach Lissabon vor mir. Allerspätestens und 15 Uhr musste ich los, um pünktlich am Flugzeug zu sein.

 

In der Taufkirche angekommen hielt es mich vorerst im Eingangsbereich fest. Es fühlte sich ein wenig komisch an, im wenig einladenden „Flur“ herumzustehen. Schließlich hatte ich mich akklimatisiert, betrat den Innenraum und ging tatsächlich, beginnend mit der für Lucia bedeutenden Marienstatue, alle ausgestellten Heiligen Figuren einzeln ab. Ich erkannte nicht alle, fand aber eine alte Dame aus dem Kirchenteam, die mir gestenreich auf Portugiesisch jeden benannte. Außer den einen oder anderen Namen verstand ich zwar fast nichts, nichtsdestoweniger freute ich mich über ihre hilfsbereite Herzlichkeit.

 

Nun aber schnell


Am Ende meiner kleinen Gruß-Runde durch die Kirche dachte ich ja nach Lissabon aufbrechen zu können - weit gefehlt! Ich „musste“ noch einmal an den Platz der Engelserscheinung und den Ort einer Marienerscheinung im Valinhos, die zum Glück nur drei kurze Autominuten entfernt sind. Das Glück war mir hold – ich erhielt den letzten freien Stellplatz direkt am Park. Beide Stätten liegen nicht weit auseinander und jeweils fünf Minuten des Abschieds reichten aus. Jetzt aber los! – nein! – immer noch nicht … Ich wurde zur ungarischen Kapelle gebeten, die sich ebenfalls im Valinhos befindet. Ihr offizieller Name ist Santo Estevao Kapelle. Sie wurde von ungarischen Flüchtlingen gestiftet, die vor der sowjetischen Invasion in Ungarn geflohen waren.

 

Ich war tatsächlich bei meiner ersten Reise kurz an der Kapelle gewesen. Folgerichtig war es notwendig auch noch hierher zurückzukommen. Zum Abschluss sah ich zum x-ten Mal in den drei Tagen eine laufende Messe vor mir. Als kurze Zeit später ungewohnt gruseliger Gesang einsetzte, war es Zeit für mich zu gehen.

Fatima, Portugal, Aljustrel, Valinhos,
Valinhos - Ort einer Marienerscheinung
Fatima Portugal, Valinhos, Aljustrel
Dach der Kapelle Santo Estevao
Fatima Portugal, Valinhos, Aljustrel
Kapelle Santo Estevao

Am Ende ist alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.

 

Ohne zu wissen, wo genau, hatte ich mich dieser Tage endlich wieder vereint und verließ Fatima, das weder Frau noch orientalisch ist, und dennoch genauso bezaubernd und reizvoll.

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Kommentare: 2
  • #1

    Sternchen (Mittwoch, 21 November 2018 21:44)

    Lieber Sönke,

    danke für den wundervollen Bericht, die fantastischen Bilder und das Mitnehmen auf Deine Reise!

    Diese Reisetage haben mich eingefangen und ich bin mir jetzt ganz sicher, dass ich Fatima eines Tages auch besuchen werde.

    Danke Dir von Herzen

  • #2

    Sönke Kluge (Donnerstag, 22 November 2018 20:53)

    Freut mich sehr, dass es Dir gefallen hat und Dich sogar motiviert, Fatima selbst zu erleben. Mehr kann ich mir nicht wünschen. Ganz herzlichen Dank!