Chartres, Frankreich - Die Kathedrale von Chartres (Teil 2), Schätze der Kathedrale

Schätze der Kathedrale

Kathedrale Notre Dame Chartres, Krypta, Messe
Messe in der Krypta

Die Krypta der Kathedrale Chartres

Die ersten Tage in Chartres hatte ich mich nur im oberen Teil der Kathedrale aufgehalten. Mit einer digitalen Audioführung hatte ich sogar auf Deutsch die Historie und die Hauptattraktionen selbstständig erkunden können. In der Krypta ist dies nicht möglich. Sie ist für Touristen nur mit geführten Touren zu besichtigen.


Gleich rechts, wenn man durch das Westportal eintritt, führt eine kurze Treppe hinunter in das dem Wortlaut nach geheime Gewölbe. Der öffentliche Verlauf folgt dem südlichen Flügel bis unter den Chor. 

 

Die Krypta ist nicht vollständig unterirdisch, wie es häufig in Kirchen der Fall ist. Ein Großteil hat sogar Fenster, die ebenso kunstvoll und schön gestaltet sind wie im oberen Teil. Im modernen Wohnungsbau würde man wohl eher von Souterrain sprechen. Es ist schummrig und je weiter wir dem Verlauf folgen, desto dunkler wird es. Schaurig wird es in dieser Atmosphäre trotzdem nicht. Vielleicht liegt das daran, dass wir an keinen Gebeinen oder offen zur Schau gestellten Totenschädeln vorbeikommen, wie es sonst in einer mittelalterlichen Krypta üblich ist.

 

Hier unten ist das Fotografieren mit Blitzlicht verboten. Die noch erhaltenen Decken- und Wandmalereien sollen unbeschadet bleiben und vor weiteren Verfall geschützt werden. Gute Fotos sind so leider nur schwer zu machen. 

Kathedrale Chartres, Krypta, Kapelle Maria Magdalena, Notre Dame Chartres
Kapelle der Maria Magdalena

Der Rundgang beginnt mit dem alten Taufbecken der Gemeinde, schlängelt sich an kleinen Seitenkapellen vorbei bis zu einer Messekapelle. Krypta heißt übersetzt auch Unterkirche. Auf dem Weg dorthin befindet sich eine Originalstatue inklusive Sonnenuhr von der Außenfassade der Südwestecke. Diese Skulptur wurde abgenommen und durch eine Kopie ersetzt. Umwelteinflüsse drohten sie zu zerstören. Die einzelnen Kapellen sind wie üblich Heiligen zugeordnet und tragen deren Namen.

 

Am schönsten erscheint mir die Kapelle der Maria Magdalena. Ein fein gearbeiteter Altar, sehr schöne bebilderte Buntglasfenster und eine gütige Ausstrahlung empfängt uns hier.

 

Für eine andere Kapelle hat ein koreanischer Künstler Glasfenster entworfen und sie als Geschenk an die Kathedrale übergeben. Ist das Kunst oder kann das weg? Diese überaus moderne und abstrakte Gestaltung passt für meinen Geschmack gar nicht in diese historische Kulisse.

Im Herzen der Kathedrale von Chartres

Kathedrale Notre Dame Chartres, Krypta, historisches Wandgemälde
Historisches Wandgemälde

Als wir die Krypta-Messe erreichen, laufen schon Vorbereitungen für einen in Kürze beginnenden Gottesdienst. Gläubige knien vor einer Deckenmalerei nieder, sprechen ein kurzes Gebet und bekreuzigen sich. Das Gewölbe ist schwach mit elektrischem Licht beleuchtet. Fenster gibt es hier keine. Die Wände haben erdige Farben und gemeinsam mit dem warmen Licht entsteht eine wohlige Stimmung.

 

In diesem geschützten Teil der Kathedrale befindet sich hinter goldenen Gitterstäben ein kleiner Schrein. In diesem Schrein wird ein Teilstück der Tunika der Jungfrau Maria aufbewahrt, die im oberen Teil ausgestellt ist. Für die katholische Kirche ist diese Reliquie so enorm wichtig, dass es eine Katastrophe wäre, wenn dieses Tuch komplett zerstört werden würde. Hier unten wähnt man dieses Teilstück sicher und sorgt für den schlimmsten aller Fälle vor. Ähnlich wie vor der vollständigen Tunika fühle ich keine Veränderung der Schwingung oder etwas anderes auffälliges. Ich will nicht sagen, dass ich betrübt oder unzufrieden war. Ich gehe gerne ohne Erwartungen zu meinen Zielen. Ein wenig mehr hatte ich mir jedoch von einer der wichtigsten Reliquien der katholischen Kirche schon erhofft.


Einige Meter vor dem Gebetssaal liegt der Jahrtausende alte keltische Ursprung dieses Ortes. Der 33 m tiefe Brunnen. Das vermeintliche energetische Zentrum. Gerade hier hatte ich eine starke Ausstrahlung erwartet. Spüren kann ich leider wieder nichts. Und jetzt bin ich doch fast ein wenig enttäuscht.

 

Insgesamt empfinde ich es in der Krypta weniger energetisch, als im oberen Teil der Kathedrale. Nun gut – nichts ist, wie es scheint und meistens kommt es anders, als man denkt. Dieser Ort wurde nicht dazu errichtet, meine Erwartungen zu erfüllen. Möglicherweise hat sich das energetische Zentrum im Laufe der Jahrhunderte auch einfach etwas verschoben.

 

Der letzte Ort der Führung ist eine kleine Kammer unterhalb des Chores. Von hier führt eine schmale Holztreppe durch einen engen, dunklen Gang direkt nach oben. Früher haben sich Geistliche hier auf die Messe vorbereitet und den kurzen Weg zum Altar nehmen können. Die Wege innerhalb der Kathedrale waren weit und die Oberen nicht immer volksnah. Feuchtigkeit, Zeit und wer weiß, was noch alles haben die Treppe angefressen und verfallen lassen. Heute ist sie einzig noch ein verborgener Zeuge ihrer Zeit. 

Bereits nach 45 min war die Führung leider schon beendet. Um in die Krypta, ihre Zeugnisse und Geheimnisse wirklich einzutauchen, bräuchte ich deutlich mehr Zeit. Energetisch gesehen ist die Krypta für mich unspektakulär. Um einen besseren Einblick in das historische Leben innerhalb der Kathedrale zu bekommen, lohnte es sich trotzdem allemal hier herunterzusteigen.

Kathedrale Chartres, Eingang Krypta, Notre Dame Chartres
Eingangsbereich zur Krypta

Das Loch im Fenster der Kathedrale

In der Kathedrale von Chartres gibt es viele ungewöhnliche Baumerkmale. Eines davon ist definitiv ein kleines Loch im Fenster der Westmauer des südlichen Querschiffs.

 

Am Tag der Sommersonnenwende (21.6.) fällt das Sonnenlicht zur Mittagszeit durch dieses Loch. Der Strahl erfasst dann zielgenau einen winzigen Messingkopf, auf einer in den Boden eingelassenen rechteckigen Steinplatte. Der Messingkopf ist am oberen Ende der Platte positioniert und nicht, wie man vermuten würde, in der Mitte. Abweichend zu den anderen verlegten Steinen, ist diese Steinplatte obendrein anders geformt, gefärbt und ausgerichtet.

 

Bereits bei meinen Reisevorbereitungen faszinierte mich diese ungewöhnliche Gestaltung. Zahllose spekulative Geschichten ranken um die Funktion dieser Konstruktion.

 

Bei meinen Besuchen fand ich die besagte Platte ohne Probleme. Sie fällt einfach auf, wenn man wachen Auges die glanzvollen und prächtigen Abschnitte im Inneren der Kirche betrachtet. Das Loch im Fenster hingegen, das die ganze Verlockung auslöst, fand ich nicht. Es ist so klein und unscheinbar, dass es im pompösen Buntglasfenster fast unsichtbar wird. Mein innerer Kompass war offensichtlich nicht gut genug geeicht, um die Himmelsrichtung zu bestimmen, aus der der Sonnenstrahl kommen musste. Mehrfach suchte ich erfolglos alle umliegenden Fenster nach der Öffnung ab.

Kathedrale Chartres, Bodenfliese, Notre Dame Chartres
Bodenplatte mit Messingkopf
Kathedrale Notre Dame Chartres
Messingkopf mitte-oben

D´ Artagne klärt auf

Also beschloss ich zu fragen. Während meiner Aufenthalte hatte ich mich bereits ein, zweimal an einen Kirchenhelfer gewandt. Ein sehr aufmerksamer und freundlicher Mann um die fünfzig, der ein wenig wie eine Mischung aus d´ Artagne und Catweazel aussah. Er erkannte mich und begrüßte mich mit einem freundlichen „Ah, bonjour Monsieur.“, was mich doch einigermaßen erstaunte. Hier kommen jeden Tag so viele Menschen herein, dass, zumindest mir, ein Wiedererkennen ungewöhnlich erscheint.

 

Trotz des vielen Tourismus wird englisch hier eher rudimentär gesprochen und da ich kein französisch spreche, verständigten wir uns in einem internationalen Kauderwelsch. „Können Sie mir sagen, wo die Öffnung aus dem Fernster geschnitten wurde?“ „Oui oui oui“, sagte er in seiner leicht aufgeregten Art und wollte mich hinführen. Dabei sah er jedoch unruhig und leicht nervös auf seine Uhr. Es war halb eins und scheinbar hatte er einen wichtigen Termin oder jetzt begann seine Mittagspause. Ich bemerkte seine leichte Verzweiflung zwischen seiner 30 minütigen Mittagspause und seiner Pflichterfüllung zu wählen. Ich bot deshalb an, am Nachmittag wiederzukommen, was er sehr dankbar und erleichtert annahm.

 

Als wir uns wieder trafen, erklärte er mir erst einmal ausführlich den Sinn für diese ungewöhnliche Konstruktion. Im aufgeregten Kauderwelsch fiel häufiger das Wort astrophysicien und er sucht in einem dicken, roten DIN A4 Ordner einen Zeitungsartikel, den er mir dann reichte. Die Erklärung der Historiker und Astrophysiker ist so faszinierend wie einfach. Als die Kathedrale errichtet wurde, gab es nur wenige Möglichkeiten Zeit und Datum zu messen und zu erfassen. Einmal im Jahr konnte man auf diese Art ganz genau Datum und Uhrzeit feststellen. Den 21.6. mittags 12 Uhr.

 

D´ Artagne brachte mich zum Querschiff und zeigte mir die kleine, versteckte Aussparung im Fenster. Ich schätze, sie hat einen Durchmesser von 10-15 cm. Und dann zeigte er auf einen Lichtfleck am Boden!

Kathedrale Chartres, Fenster Westmauer südliches Querschiff, Loch im Fenster
Loch im Fenster (Westmauer, südl.Querschiff)
Kathedrale Notre Dame Chartres,
Fenster der Westmauer im südl. Querschiff
Kathedrale Notre Dame Chartres
Lichtkegel vom Einfall des Sonnenlichts

Beim Entdecken des Lichtstrahls war ich gleichermaßen verblüfft wie elektrisiert. Diesen runden Sonnenfleck, der noch einige Meter von Messingkopf entfernt war, hatte ich bisher vollkommen übersehen.

 

Es ist das eine, über etwas zu lesen und etwas ganz anderes, es dann mit den eigenen Augen zu entdecken. Besonders, wenn sich darum viele Spekulationen ranken. In manchen Foren gibt man sich mit der offiziellen Erklärung nicht zufrieden und vermutet ein ungeklärtes Geheimnis der Tempelritter dahinter.

 

Ich plauderte noch eine kurze Weile mit d` Artagne, der froh schien, dass sich jemand so detailliert für Einzelheiten der Kathedrale interessierte. Der gefällige Helfer verabschiedete sich anschließend überraschend mit zwei deutschen Worten: „Auf Wiedersehen“.

 

Ich blieb an Ort und Stelle um die Einzelheiten und das Gesamtbild auf mich wirken zu lassen. Eine französische Großfamilie stand in der Nähe. Die Mutter erklärte offensichtlich ihren fast volljährigen Kindern ausführlich genau das, was ich gerade erfragt hatte. Als sich die Gelegenheit ergab, deutete ich auf den Lichtkreis am Boden. Sie reagierten genauso elektrisiert wie ich. Ob der Entfernung des Kreises zum Messingkopf waren sie allerdings sehr überrascht. Maman hatte das Datum der Vereinigung auf Ostern gelegt und erfasste schnell, dass es so nicht sein konnte.

 

D´ Artagne sei Dank, konnte ich mein gerade erworbenes Wissen direkt teilen und die Familie aufklären. Vielleicht habe ich so ein ganz klein wenig zur deutsch-französischen Freundschaft beigetragen.

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