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Chartres (Frankreich) - Die Kathedrale von Chartres (Teil 1), groß, mächtig, unverrückbar

Groß, mächtig, unverrückbar.

Kathedrale Chartres, Portal,
Westportal (Haupteingang) der Kathedrale

Groß und mächtig kommt sie daher die Kathedrale von Chartres. Schon von weitem ist sie sehr gut sichtbar. Ihr Antlitz wirkt kraftstrotzend und unverrückbar. Die gotische Kirche zieht nicht nur optisch viele Blicke auf sich, sie birgt auch viele Fragen, die selbst Fachleute bisher nicht lösen konnten.

 

Die Ursprünge des heutigen Baus gehen bis zu den keltischen Druiden zurück. Auf dem Kalksteinhügel, wo die heutige Kathedrale steht, hielten sie bereits ihre Rituale und Feierlichkeiten ab. Der einst dort angelegte Brunnen, dessen Wasser heilende Kraft zugewiesen wurde, ist noch heute in der Krypta der Kirche zu finden.


An der Stelle der damaligen Kultstätten wurde erstmals Mitte des 4. Jahrhunderts eine Kathedrale errichtet. Sie wurde, wie weitere nachfolgende Bauten zerstört. An gleicher Stelle wurde dann jedes Mal ein größeres Bauwerk errichtet. Wie um zu sagen: Wir geben diesen Ort nicht auf. Im Jahre 1260 wurde die gotische Kathedrale in der gegenwärtigen Architektur als bisher letzter Wiederaufbau fertiggestellt. Sie ist seitdem nahezu unverändert und hat mehrere Kriege unbeschadet überstanden. Dies ist ein Wunder für sich. Seit 1979 gehört die Kathedrale von Chartres zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Rätselhafte Vermächtnisse

Der prachtvolle Bau hat viele wunderbare Facetten. Kunst- und kulturhistorische Strömungen treffen auf architektonische Besonderheiten. Es ranken sich viele Erklärungsversuche um ungeklärte Geheimnisse. Es heißt, dass die sagenumwobenen Tempelritter an der Planung und dem Bau der Kathedrale beteiligt waren.

Kathedrale Chartres
Chartres Frankreich, Kathedrale Notre Dame

Exemplarisch für die ungeklärten Besonderheiten stehen folgende Aspekte:

  • Die Rezeptur, der einzigartigen Farbe der Glasfenster, das sogenannte Chartres-Blau, ging mit ins Grab der Schöpfer und wurde nie entschlüsselt.
  • Die Ausrichtung des Gebäudes wurde in südwestlich-nordöstlicher Richtung angelegt, nicht wie damals für Kirchen üblich in westlich-östlicher Richtung.
  • Das gesamte Bauwerk beruht auf einem besonderen Zahlenverhältnis, dessen Bedeutung bis heute nicht geklärt ist. Es wird zum Teil mit der Geometrie der Blume des Lebens in Verbindung gebracht.
  • Am Tag der Sommersonnenwende ( 21.06.) fällt beim höchsten Sonnenstand durch ein kleines Loch im Fenster der Westmauer des Querschiffs ein Lichtstrahl auf einen Messingknopf, der im Boden des Süd-Querschiffs eingelassen ist.

Aus religiöser Sicht ist wichtig, dass die Kathedrale seit 876 eines der größten Heiligtümer der katholischen Kirche beherbergt: Eine Tunika der Jungfrau Maria, die sie während der Verkündung Jesu Geburt durch den Erzengel Gabriel getragen haben soll. Diese Reliquie zieht seit jeher viele Pilger an.

 

Ich war also gespannt, was mich an diesem prickelnden Ort erwarten würde.

 

An einem Sonntagmorgen erreichte ich das zeitgeschichtliche Monument und war bereits vom Äußeren überaus beeindruckt. Das Gebäude hat eine unheimliche Wucht. Als wollte es verkünden: Hier stehe ich nun und gehe nie wieder. Ich trotze allem, was da kommen wolle!

Ungeachtet aller Wucht der Mauern zeigen die Fassaden und Portale sehr viele filigran gemeißelte Skulpturen und sogar umfassende Geschichten, die mich nicht weniger beeindrucken. Das ist große Handwerkskunst. Umso mehr, wenn ich bedenke, mit welchen Werkzeugen damals gearbeitet wurde. 

Verblüffende, bewundernswerte Innenansichten

Durch das Hauptportal betrete ich den mächtigen Bau. Mein Blick streift langsam durch das über 100 m lange Mittelschiff und dann hinauf zu den 37 m hohen Decken. Die wahren Ausmaße lassen sich mit dem Auge gar nicht erfassen. Ich drehe mich zum Eingangsportal in meinem Rücken und erblicke die überdimensionalen, christliche Geschichten erzählenden Buntglasfenster, die über dem Eingang thronen.

 

Der erste visuelle Eindruck ist imponierend. Die enorme Schwingung des Ortes hat mich ebenfalls bereits erfasst: alles vibriert! 

Kathedrale Chartres, Innenansicht  Kathedrale
Erster Blick nach Eintritt durchs Westportal
Kathedrale Chartres, West Portal Fenster
Fenster des Westportals (oberhalb des Eingangs)

Erstaunt und freudig überrascht über die ungeheure Intensität nehme ich die Schwingung auf. Längere Zeit verharre ich mit einem ungläubigen Lächeln und lasse jegliche Eindrücke auf mich wirken, bevor ich mich aufmache, um die Details der Kathedrale zu erkunden.

 

Beidseitig des Mittelschiffs erblicke ich in den Fassaden hohe Buntglasfenster, mit biblischen Darstellungen verziert, im typischen Chartres-Blau. Dieses Blau hat eine besondere Reinheit. 176 solcher Fenster gibt es, fast alle sind im Original erhalten.

 

Ich streife weiter durch das Innere der Kirche in Richtung des kunstvoll gemeißelten Chorumlaufs. Vorbei an der berühmten Orgel, die noch vor dem Querschiff hoch oben hängt. Ihre Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Seit 1971 wird auf ihr zweijährlich der international sehr bedeutende Orgelwettbewerb Grand Prix de Chartres ausgetragen.

Kathedrale von Chartres, Innenraum, Buntglasfenster
Typisches Buntglasfenster

Maria, Petrus und die Tunika

Hinter dem Querschiff befindet sich auf der linken Seite unter einem gotischen Bogen die Kapelle der Maria, Muttergottes. Obwohl ich diese sanftmütige Energie gerne spüre, zieht es mich einen Bogen weiter. Dort steht eine Statue, die ich für Petrus halte. Und sie zieht mich auf unerklärliche Weise an.

 

Mit Petrus hatte ich bislang nichts am Hut. Auf den Stationen meiner Rundreise (Medjugorje, Lourdes, Saint Baume) ging es um die beiden Marias (Magdalena und Muttergottes). Wieso jetzt er? Eine Beschreibung der Skulptur entdecke ich nicht. Einige Momente später kann ich eine Kirchenmitarbeiterin finden und will sie fragen, wer dies denn sei. Sie spricht weder Englisch noch Deutsch, ich kein Französisch. In meiner Not betone ich fragend den Namen Französisch: Petrüs? Und deute auf die Figur. „Aah, non, non, non. San Josef!“ Der Heilige Josef also. Und mir wird sofort klar: Die Verbindung ist Jesus.

 

Während ich im hinteren Teil der Kathedrale, im Chorumlauf, angekommen bin, hat im vorderen Bereich die Messe angefangen. Einmal mehr fällt mir währenddessen auf, wie schön die französischen Geistlichen singen.

 

Im Verlauf des Chores befindet sich im hinteren Teil in Gold gerahmt und unter Glas gefasst DIE Reliquie der katholischen Kirche schlechthin: die Tunika der Heiligen Jungfrau Maria. 


Für einen Nicht-Katholiken, aber durchaus gläubigen Menschen wie mich, ist die Tunika anschaulich ein recht unspektakuläres Tuch aus Leinen. Auch energetisch fühle ich kaum einen Unterschied. Vielleicht ist die Schwingung in der Kathedrale bereits so hoch, dass ich Veränderungen nicht mehr klar erkennen kann.

 

Im weiteren Verlauf des Rundgangs begegnen mir atmosphärisch gesehen, keine nennenswert attraktiven Plätze oder Bereiche mehr. Mit einer bemerkenswerten Ausnahme: das Labyrinth. 

Das Labyrinth Chartres

Das Labyrinth ist in den Boden des Mittelschiffs eingelassen und die meiste Zeit von Stühlen bedeckt. Lediglich am 24.06., dem Johannistag und zusätzlich in den Sommermonaten freitags, wird das gesamte Bodenbild aus verschiedenfarbigen Steinplatten freigeräumt. 

 

Ein Labyrinth ist nicht mit einem Irrgarten zu verwechseln. Es geht bei ihm darum, einen möglichst langen Weg vom Start bis zum Ziel im Zentrum zurückzulegen. Die Pilger im Mittelalter gingen das Labyrinth betend, als eine Art symbolische Wallfahrt nach Jerusalem. In Chartres hat es 11 konzentrische Kreise, 34 Wendungen und eine Gesamtlänge von 261,5 m.

Kathedrale Chartres, Labyrinth Chartres
Ausschnitt des Labyrinth

Meine Intuition führte mich also zu diesem Labyrinth, in das ich mich hinein begeben sollte.

 

Nun war leider weder Johannistag noch Freitag. Es war größtenteils bestuhlt und so konnte ich dessen Weg nicht beschreiten. Wenn ich in das Labyrinth sollte, musste es anders gemeint sein. Unlösbare Aufgaben bekomme ich von meiner Führung eigentlich nicht. Wenn etwas unlösbar erscheint, dann in der Regel deshalb, weil ich es falsch deute. Chartres war die letzte Station meiner spirituellen Rundreise (Medjugorje, Lourdes) und meine Anbindung war mittlerweile so gut, dass ich schnell die Lösung fand.

 

Ich setzte mich auf einen Stuhl am Rande, außerhalb des Labyrinths. Gleichzeitig stellte ich beide Füße innerhalb des äußersten Kreises auf. Es dauerte nur kurz, bis sich die Magie des Symbols zeigte. Ein feines Kribbeln, fast mehr ein Vibrieren stieg durch die Füße in meinen Körper auf.

 

Es ist sehr schön für mich zu registrieren, wie ich durch meine Führung zu besonderen Erfahrungen geleitet werde. Wie sich über längere Zeit meine Skepsis meiner Intuition zu folgen, durch einfaches Ausprobieren und Reflektieren in bedingungsloses Vertrauen gewandelt hat. Meistens jedenfalls. ;-) 

Es gibt in der Kathedrale von Chartres unglaublich viel Schönes zu sehen. Sie ist eine wahre Schatzkammer für Kunst und Kultur. An jedem meiner viertägigen Besuche dort, bin ich Berufsfotografen, Film- / TV-Teams und Kunstgruppen begegnet. Ein Gospelchor aus Chicago hat dort Filmaufnahmen gemacht und ein halbstündiges, kostenloses Konzert gegeben. Es war ein fantastisches Erlebnis die Musik in dieser stilgerechten Umgebung hören zu dürfen. Die Chormitglieder waren gleichermaßen überwältigt vom anmutigen verschmelzen der Töne mit der Atmosphäre.


Gerne hätte ich noch den Turm der Kathedrale bestiegen. Er hat eine große Ausstrahlungskraft. Ein Bekannter von mir hatte auf der Plattform des Turmes ein ganz spezielles Erlebnis. Während seines Aufenthaltes in Chartres stieg er mehrfach herauf. An seinem letzten Besuch erlebte er eine Art Dimension-Wechsel, der auch ihm unerklärlich ist. Seit dem kann er durch Handauflegen heilen. Leider war der Turm während meiner Besichtigungen angesichts baulicher Gefahren vorübergehend gesperrt. Die Jahrhunderte hinterlassen irgendwann Spuren.

 

Wenn es denn einen speziellen Grund für einen zweiten Besuch benötigt hätte, ist er damit gefunden. Die Energie der Kathedrale ist faszinierend genug, um wieder zu kommen. Das starke und besondere Vibrieren zu spüren zieht mich in seinen Bann.

 

Noch war ich da und zwei, die Kathedrale prägende Eigenheiten hatte ich noch gar nicht gesehen. Da sind die Krypta mit dem energetischen Ursprung, der wahrscheinliche Grund warum alles begann und ein rätselhaftes, absichtlich in ein Fenster geschnittenes Loch. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Sönke Kluge (Freitag, 17 November 2017 16:21)

    Wer mehr über die Geheimcodes wissen möchte findet hier einen sehr ausführlichen und spannenden Artikel: http://transinformation.net/die-templerkathedrale-von-chartres/

  • #2

    Yoshika (Montag, 25 Dezember 2017 22:49)

    Lieber Sönke,
    Dein Blog gefällt mir richtig gut. Vor allem finde ich es gut, dass Du so authentisch und unkompliziert geschrieben hast. Ich kann mit persönlichen Erzählungen und Eindrücken immer viel anfangen. Wahrscheinlich ermüden mich deshalb auch normale Reiseführer. Von mir einen herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Bericht. Ich habe selbst Lust bekommen, hinzufahren. :)
    Ganz liebe Grüße Yoshika

  • #3

    Barbara (Samstag, 30 Dezember 2017 00:17)

    Wie gerne lese ich immer wieder einfach quer. Ich entdecke dabei auch immer wieder etwas, das ich zuvor überlesen habe.
    DANKE! Wie schön!. So, dass ich den Link gerne an Freunde weitergebe und hoffe, dass wirklich viele genauso viel Freude und Anteil daran haben.

  • #4

    Sönke (Samstag, 30 Dezember 2017 16:57)

    Vielen Dank für Eure wunderbaren Kommentare! Es freut mich sehr zu erfahren, dass Ihr Freude an den Beobachtungen und Beschreibungen habt. Sie sind mir Ansporn und Motivation für die nächsten Reisen und Berichte.