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Medjugorje Teil 2 (Bosnien-Herzegowina) - Ein kleiner Ort von großer Bedeutung

Ein kleiner Ort von großer Bedeutung (Teil 2)

Medjugorje, Erscheinungsberg
Aufstieg zum Platz der Erscheinungen

Der Erscheinungsberg - Ort der Botschaften Maria, Muttergottes

Im Ortsteil Bijakovici befindet sich zwischen einer Reihe von Souvenirläden der Einstieg zu dem Ort, wo das scheinbar Unerklärliche begann. Weit oberhalb des Ortes Medjugorje, auf dem Berg Crnica – der heute nur noch Erscheinungsberg genannt wird. Der Weg ist steil, steinig und rau. Von den Füßen der Millionen Pilger ist der felsige Pfad ausgetreten und die Steine sind blank poliert. Bequemer ist er dadurch nicht geworden. Ich treffe Menschen allen Alters und Couleur.
Betagte erklimmen den Hügel, schlecht zu Fuß, am Stock gehend und gestützt von Begleitern, um der Heiligen Jungfrau Maria, der Gnadenmutter nah zu sein. 


Andere laufen den rauen Weg barfuß, beten den Rosenkranz entlang der errichteten Bronzetafeln, auf denen das Geheimnis desselben dargestellt ist. Für Katholiken ist dies wahrlich ein anbetungswürdiger Ort. Je nach körperlicher Fitness dauert es zwanzig bis vierzig Minuten, um den Berg zu erklimmen.

Medjugorje, Holzkreuz, Erscheinungsberg
Ort der 3. Botschaft

Auf halbem Weg steht ein einfaches Holzkreuz. Es ist der Ort der dritten Botschaft. Erstmalig hat hier die Himmlische Botin aufgefordert und gebeten: Friede – Friede – Friede und nur Friede! Zwischen Gott und den Menschen soll wieder Friede sein. Unter den Menschen soll Friede sein.

 

Davon abgesehen, dass mich der Weg anstrengt und die Sonne ziemlich warm ist, empfinde ich während des Aufstiegs nichts Ungewöhnliches. Alles erscheint wie immer.

 

An der Stelle der ersten Erscheinung empfängt mich ein circa einhundert Meter durchmessender Platz, der genauso uneben und felsig ist wie der Weg. Und eine herrliche Aussicht über Medjugorje. Im Zentrum des Runds steht eine lebensgroße, weiße Steinstatue der Muttergottes Maria, ihren liebevollen Blick gen Tal gerichtet. Pilger knien vor ihr nieder und richten Gebete an sie. Viele verweilen in Stille und Verbundenheit. Fast jeder möchte ein Erinnerungsfoto von, und vor allem mit ihr aufnehmen. Pilger sind auch nur Menschen. Die stille Hoffnung auf ein Bild mit einer für das unerleuchtete Auge unsichtbaren Erscheinung klickt bei jedem Auslösen mit – selbstverständlich auch bei mir. 

Medjugorje, Bijakovici, Erscheinungsberg, Heilige Jungfrau Maria
Ort der Marien Erscheinungen

Eine vor der Reise entwickelte Vorstellung, oder eher Fantasie über diesen bedeutungsvollen Ort, kann ich nicht verhehlen. Erfüllt wurde sie bei diesem ersten Besuch nicht. Alles erscheint ziemlich normal. Keine Erscheinung, kein außergewöhnliches Empfinden, keine inneren Botschaften. Trotzdem ist der Besuch keine Enttäuschung gewesen. Alles Geschehen zu beobachten, aufzunehmen und wirken zu lassen ist eine Erfahrung für sich.

 

Dass ich wieder herauf kommen würde wusste ich bereits. Ich hatte noch ein Rendezvous, zu dem ich von der Heiligen Jungfrau eingeladen war. 

Ein Rendezvous mit Maria, Muttergottes

Bereits vor dem Antritt meiner Reise wusste ich, dass ich am letzten Tag meines Aufenthaltes in Medjugorje eine Verabredung mit Maria auf dem Erscheinungsberg haben werde. Meiner Intuition zufolge sollte sie um sechs Uhr morgens beginnen und bis etwa acht halb neun andauern. Ich bin wahrlich kein Frühaufsteher, aber ein Date mit einer wunderbaren Erscheinung schlägt man nicht aus.

 

Gegen fünf Uhr klingelt mein Wecker. Froh stelle ich fest, dass es bereits zu dämmern beginnt. Den steinigen Weg, auf dem man jeden Schritt konzentriert setzen muss, um nicht umzuknicken, im dunklen zu gehen, behagte mir nicht. Die kniehohen Leuchten am Rande des Pfades würden gerade mal als Richtungsweiser taugen. Zur Erleuchtung reichen sie nicht. Ein kurzer Blick auf mein Handy verrät mir, dass ich frieren könnte. Es sind 3°. Ohne zu wissen, was mich erwartet, aber voller Vertrauen starte ich zu meinem Rendezvous bei Tagesanbruch.

 

Der zwanzigminütige Aufstieg wärmt mich und verbannt jegliche Kühle. Bereits um fünfuhrachtundvierzig bin ich oben angekommen. Niemand außer der Statue Marias und mir ist anwesend. Ich gehe zu ihr und fühle mich seltsam ehrfürchtig. Dann tue ich etwas, was ich für unmöglich gehalten hatte: Fast magnetisch zieht es mich zu Boden. Ich gehe auf die Knie und verneige mich tief vor ihr. Dieser Ehrerweisung konnte ich mich nicht entziehen. Etwas drängte mich zu dieser demütigen Geste. Vorsichtig schaue ich mich um: Ist schon jemand da? Hat mich jemand gesehen?

 

Einen Grund für meine frühe Verabredung habe ich damit gefunden: Bei voller Hütte hätte ich das niemals tun wollen! Erstmalig kann ich nachvollziehen, warum Gläubige sich verneigen. Etwas Unbeschreibliches, etwas Größeres hat mich erfasst. 

In stiller Verbundenheit setze ich mich einige Meter unterhalb der Statue auf einen Stein. Anders als beim ersten Besuch empfinde ich heute eine viel stärkere Ausstrahlung des Ortes. Friedvolle, weiche und gütige Energie umströmt mich. Gut eine Stunde verharre ich auf meiner steinigen Sitzschale. Nur eine Hand voll Gläubige kamen bis jetzt zu einem Morgengebet. Der anbrechende Tag mit dem leicht milchigen Sonnenlicht und die andächtige Freude der Frühaufsteher erzeugen eine sehr schöne, im Herzen verbindende Stimmung. Trotz aller Herzenswärme wird meinem ganz irdischen Körper langsam kalt. Ich frage mich, ob ich wohl schon gehen dürfe? Es ist siebenuhrzwanzig, also deutlich vor dem kolportierten Ende. In mir steigt ein klares Nein auf. Noch nicht. Gut, dann bleibe ich halt. Meiner Intuition zu widersprechen war noch nie sinnvoll.

 

Weitere Pilger kommen nach und nach an. Die Stille wahrend. Eine Kanadierin spricht mich leise an. Sie hätte mich auf besondere Weise beten sehen, ob ich denn öfter morgens hier herauf komme? Ich verneine das Zweite und füge in Gedanken hinzu: „Was hast du gesehen? Ich habe nicht gebetet.“ Suchte sie nur einen Aufhänger, um mich anzusprechen? Ein kurzer, leiser Smalltalk unter Pilgern ergibt sich. Anschließend sagt sie mir, dass ich besonders beschützt sei und viele Segnungen in mir trage. Ich weiß nicht, wo sie das her hat, aber an diesem frommen Ort will ich nicht an ihren Worten zweifeln. Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und erfreut bedanke ich mich bei ihr.

 

Innerlich wirkt das Gespräch wie ein heißes Getränk, äußerlich ist mir nach wie vor kühl. Meine erneute Frage, ob mein Rendezvous beendet wäre, wird wiederum verneint. So bleibe ich also körperlich an Ort und Stelle und mental mit meiner wunderbaren Erscheinung verbunden. „Könnt ihr es denn wenigstens wärmer werden lassen?“, frage ich nach oben. 

Medjugorje, Erscheinungsberg, Heilige Jungfrau Maria, Muttergottes
Statue der Maria, Muttergottes auf dem Erscheinungsberg

Ganz langsam steigt die Sonne hinter dem Berg empor und ihre Strahlen werden wärmer. Der Tag siegt endgültig über die Dämmerung. Etwas früher als gedacht, ist um kurz vor acht mein Tête-à-Tête beendet. Erfüllt von den (be)sinnlichen Begegnungen mit Mensch und Prophetin verabschiede ich mich mit einer ehrenden Verbeugung von Maria, der Heiligen Jungfrau, Muttergottes und Mutter Jesus`. Sie wird mir auf weiteren Stationen meiner Rundreise wieder begegnen (Lourdes, Chartres).

 

Das Timing ist perfekt. Auf halben Wege zurück kommt mir eine erste Gruppe mit zwölf bis fünfzehn italienischer Pilger entgegen. Am Fuße des Bergpfades warten bereits weitere, rund fünfzig Personen auf das Startzeichen ihres Guides. Mit der Stille ist es vorbei. 

Medjugorje, Heilige Jungfrau Maria, Muttergottes, Erscheinungsberg
Statue der Maria, Muttergottes auf dem Erscheinungsberg

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Kommentare: 2
  • #1

    Eva Rohr (Dienstag, 02 Oktober 2018 12:16)

    Dieser Ort bleibt immer in meinem Herzen ❤️�. Amen.

  • #2

    Sönke Kluge (Mittwoch, 17 Oktober 2018 20:45)

    Liebe Eva,
    vielen Dank, dass Du das mit mir/uns teilst. Mir wird es auch so gehen. Medjugoje war mein erster Marien Erscheinungsort. :o)