Medjugorje Teil 1 (Bosnien-Herzegowina) - Ein kleiner Ort von großer Bedeutung

Ein kleiner Ort von großer Bedeutung (Teil 1)

Medjugorje ist wohl der umstrittenste Ort, aus dem Marienerscheinungen berichtet werden. Die katholische Kirche mag sich nicht durchringen, diesen Wallfahrtsort uneingeschränkt anzuerkennen. Bis 1991 verbot sie ihren Mitgliedern sogar, ihn im Namen der Kirche zu besuchen und für rechtmäßig zu erklären. Sie will die Erscheinungen und Offenbarungen weder bestätigen noch dementieren. Man sorgt sich um eine gesunde Verehrung der Heiligen Jungfrau Maria. Bis zu einer endgültigen Beurteilung der Causa Medjugorje sollen Kommissionen die Geschehnisse weiter beobachten. Pilger aus aller Welt kommen trotzdem in Scharen, um die Muttergottes zu feiern und anzubeten. 


Die phänomenale Geschichte

Auf dem Berg Crnica sahen am 24.06.1981 sechs Jugendliche eine schwebende junge Frau mit einem Kind in ihren Armen. Sie gab ihnen ein Zeichen näher zu kommen. Erstaunt und erschrocken blieben sie lieber, wo sie waren. Trotz ihrer Angst erkannten sie die Frau als Maria, Muttergottes. Vier der sechs Jugendlichen fühlten sich am nächsten Tag so stark von dem Ereignis angezogen, dass sie zur selben Zeit noch einmal an den Ort der Begegnung gingen. Zwei trauten sich nicht mitzugehen. Diesen beiden erschien die Jungfrau Maria nie wieder. Statt ihrer schlossen sich zwei andere Jugendliche an. Gemeinsam sahen diese sechs in der Folgezeit mehrfach die Muttergottes und hörten ihre Botschaften, die Frieden predigten. Bis heute empfängt vor allem Mirjana Dragicevic-Soldo regelmäßig Botschaften, die sie mit der Welt teilt. 


Genau zehn Jahre später brach der Krieg im damaligen Jugoslawien aus. Medjugorje, was mit zwischen den Bergen übersetzt wird, blieb auf wundersame Weise verschont. Erzählungen berichten davon, dass dreimal versucht worden sein soll, den Ort anzugreifen. Jedes Mal wurde der Angriff scheinbar unerklärlich abgewendet. Ein Gewitter ließ die Kampf-Jets umkehren, gefallene Bomben sind nicht explodiert.

 

Der kleine, nur zweitausenddreihundert Einwohner zählende Ort liegt etwa dreißig Kilometer unterhalb von Mostar im Südwesten Bosnien-Herzegowinas. Circa eine Million Pilger kommen jährlich in den Ort nahe der kroatischen Grenze.

 

Spirituell wird Medjugorje häufig in direkter Verbindung mit Lourdes in Frankreich und Fatima in Portugal gesehen, manchmal auch mit Garabandal in Spanien. Aus all diesen Orten wurden Marienerscheinungen berichtet. Sie unterscheidet, dass die Muttergottes nur in Medjugorje noch heute Botschaften offenbart. 

Hält die Anziehung was sie verspricht?

Die Magie des Göttlichen wirkt auch auf mich. Was ist dran am Hype um die Erscheinungen, Wunder und Phänomene? Ist es ein rein katholisches Phänomen oder kann ich als gottgläubiges, aber konfessionsloses Geschöpf daran teilhaben?

 

Mein Besuch im März ist gut gewählt. Noch „schläft“ der Ort. Erst ab dem für Christen wichtigen Osterfest erwacht Medjugorje endgültig aus seinem Pilgerschlaf. Es ist angenehm leer und die Sonne entwickelt bereits Kraft für wohlige 18°. 

Auf dem Kirchengelände von St.Jakobus

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Vorplatz der Kirche St.Jakobus

Mein Weg führt mich zur St. Jakobus Kirche im Zentrum des Ortes. Eine kleine, einfach gehalten Kirche – auf den ersten Blick zu klein um eine Million Pilger jährlich zu betreuen. Schon auf dem Vorplatz treffe ich auf die im Ort allgegenwärtige Maria, Muttergottes. Eine schlicht gehaltene Marienstatue lädt gleich rechts mit sanftmütigen Ausdruck zum Verweilen ein. Der Platz um sie herum strahlt etwas Beruhigendes aus. Es fühlt sich freundlich und heimelig an. Ich bleibe, um ein wenig zu meditieren, mich mit dem Ort zu verbinden.

 

Links von der Kirche wurden circa zwanzig Beichtkammern aufgereiht. In diversen Sprachen kann hier die Beichte abgelegt und damit die Vergebung seiner Sünden durch einen Priester erlangt werden. Für Katholiken eine religiöse Pflicht. So angenehm es bei der Marienstatue war, so unangenehm ist es hier für mich. Der gesamte Bereich, besonders neben dem Gebäude der Beichtstühle, strahlt eine solche Schwere auf mich aus, dass ich nach sehr kurzer Zeit gehe, um Depressionen zu vermeiden. Die von den Pilgern über Jahre abgeladenen „Sünden“ hängen hier wie eine schwere, schwarze Wolke kurz vor einem Gewitter. 

Hinter St. Jakobus öffnet sich das Gelände zu einem großen Festplatz und einer noch größeren angrenzenden Wiese. Dem hinteren Gebäudeteil entspringt ein erhöhtes, offenes Podium – ein überdachter Außenaltar. Für rund fünftausend Gläubige ist hier Platz, um gemeinsam die Messe zu feiern. Hier also finden die zahlreichen Wallfahrer den nötigen Raum, wenn im Sommer zehntausende den Ort fluten und das Innere der Kirche längst aus allen Nähten platzen würde. 

Am hinteren Ende des Kirchengeländes befindet sich rechts des Weges eine fast sechs Meter hohe Bronzestatue. Es ist die Statue des auferstandenen Erlösers (Jesus). Das erste „Wunder“ zeigt sich. Die Statue „blutet“. Tröpfchenweise tritt Wasser aus dem rechten Knie. Pilger streichen mit der Hand, einer Kette oder einem Tuch darüber und benetzen sich. Es ist klar, dass ich mich ebenfalls vom „Blute Christi“ verlocken lasse und probiere, ob es etwas mit mir macht. Aber nichts Bemerkbares geschieht. 

Medjugorje, St.Jakobus, Statue des auferstandenen Erlösers, "blutendes Knie"
"Blutendes" Knie
Medjugorje, St. Jakobus, Statue des auferstandenen Erlösers
Statue des auferstandenen Erlösers

Die Wunde, außen am Knie, ist ganz blank gerieben, so viele Pilgerhände sind bereits darüber geglitten. Wie die Tropfen entstehen ist nicht endgültig geklärt. Die Auskunft der Touristeninformation auf meine Frage hin war, dass die Pfarrei sich dazu nicht konkret äußert. Ivana, meine wunderbare Vermieterin in Medjugorje, erzählte dagegen, dass die Bronzestatue einer Prüfung durch Kirchenobere unterzogen wurde. Dafür wurde sie auch beiseite gerückt und drunter geschaut. Eine mechanische Erklärung, wie eine Wasserzuleitung oder ein  


Wasserdepot im inneren Korpus hätten sie nicht gefunden. Wissenschaftlichere Erklärungen versuchen sich an einer chemischen Reaktion der verarbeiteten Materialien. Vorläufig bleibt es noch ein Wunder.

Im Inneren der Kirche

Medjugorje, St.Jakobus, Heilige Jungfrau Maria, Mutter Gottes

In der Kirche wird auf großen Popanz verzichtet. So fühlt es sich auch an – ganz normal. Wie sich eine Kirche eben so anfühlt. Ein Ort der Stille und Andacht. Ehrfurcht, Freude und Gottesanbetung erzeugen eine positive, friedvolle Ausstrahlung. Die Beichtstühle sind außerhalb der Kirche und so stören sie die Energie nicht.

 

Im rechten Kirchenflügel findet sich wieder die Muttergottes. Dieses Mal aus Holz geschnitzt und in etwa lebensgroß. Von Samt und Blumen umgeben, mit warmen Licht in Szene gesetzt. Ihre sanftmütige, Herz-erfüllende Energie erreicht mich in bis in die letzte Reihe. Mir fällt auf, dass ich diese Ausstrahlung nur in eindeutiger frontaler Linie spüre. Weiche ich links oder rechts ihres Leibes ab, schwächt sich mein Empfinden für ihre Frequenz. Ob direkt vor ihr oder in der letzten Reihe spielt hingegen keine Rolle.

 

Im Inneren gab es für mich nichts mehr zu entdecken. Ich beende den ersten Teil meiner Reise und stelle fest, dass auch konfessionslose Wallfahrer an den Besonderheiten einer katholischen Heiligen teilhaben können. Es sollte noch interessanter werden.

 

Teil 2 - Der Erscheinungsberg und ein Rendezvous mit Maria

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